Fragen

Was ist moderne Forschung zur Artenvielfalt?

Artenvielfalt und Biodiversität
Zunächst muss die Eingangsfrage ein wenig präzisiert werden: Die Biodiversität ist es, für die sich die Wissenschaftler in erster Linie interessieren, nicht die Artenvielfalt. Doch außerhalb der wissenschaftlichen Gemeinde ist der Begriff Biodiversität weniger bekannt. Neben der Artenvielfalt, ihrem wohl anschaulichsten Bereich, umfasst sie auch die Vielfältigkeit der Ökosysteme und die Vielfalt auf der Ebene des Erbmaterials.

Warum Biodiversitätsforschung?
Die Erkenntnisse im Bereich der Biodiversität liefern Hinweise für zukünftiges Handeln, das darauf abzielt, Ökosysteme stabil zu halten (Stabilität meint dabei nicht etwa, dass bestimmte Arten in immer gleichen Mengenverhältnissen in einem bestimmten Gebiet vorkommen müssen. Ausführlicheres finden Sie hier).

Dieser Forschungszweig ist also, anders als eine verbreitete öffentliche Wahrnehmung, weit mehr als Arten zu erfassen, zu zählen und zu beschreiben. Er gewinnt darüber hinaus zunehmend an Bedeutung, weil es immer mehr Hinweise auf ein sich weltweit dramatisch beschleunigendes Artensterben gibt. Das „Millenium Ecosystem Assessment“ etwa, eine Zusammenfassung für die Vereinten Nationen der über Jahre erarbeiteten Ergebnisse mehr als 1300 internationaler Forscher, schätzt die aktuelle Aussterberate gegenüber dem, was sich aus Fossilien ablesen lässt, um mehr als 1000-fach erhöht ein. Das hat für Lebensräume weltweit und nicht zuletzt für den Menschen weitreichende Auswirkungen.

Biodiversitätsforschung am ICBM
Eine der besonders dicht mit Fragen der Biodiversität verknüpften Forschergruppierungen am ICBM ist die Arbeitsgruppe Planktologie unter der Leitung von Prof. Dr. Helmut Hillebrand. Im Experiment untersuchen ihre Mitarbeiter Annahmen zur Beziehung von Lebewesen zu ihrer Umwelt und untereinander. Als Modelle dienen den Wissenschaftlern Lebensgemeinschaften kleiner im Freiwasser und am Meeresboden lebender Organismen. An Kleinstalgen und Krebschen etwa werden die Auswirkungen sich verändernder Umweltbedingungen oder veränderter Artenzusammensetzung überprüft.

Die im offenen Meer frei schwebenden und im Flachwasser lebenden Mikroalgen leisten die Masse der Primärproduktion im Meer: Sie sind es, die mit Hilfe des Sonnenlichts aus Kohlen(stoff)dioxid und Wasser Zucker bzw. körpereigene Substanz herstellen. Dies ist auch der Beginn der Nahrungsnetze, deren Veränderlichkeit ebenfalls von den Planktologen am ICBM untersucht wird.

Wie beeinflusst der Mensch seine Umwelt, etwa durch Veränderung des Klimas und der biochemischen Kreisläufe vor dem Hintergrund geologischer Gegebenheiten? Welche Auswirkungen haben das (oft durch Menschen verursachte) Aussterben einheimischer und die Zuwanderung fremder Arten für die Lebensräume? Fragen wie diese sind wesentlicher Antrieb für die Arbeit der Planktologen am ICBM.