Logbuch

Die Arctic Coring Expedition startet am 7. August 2004 und endet am 15. September 2004. Die Planungs- und Vorbereitungsphase beginnt allerdings schon Monate früher. Im Folgenden soll der Ablauf der Bohrexpedition selbst kurz skizziert werden.

Am 7. August verlassen die Oden und wenig später auch die Vidar Viking den Hafen von Tromsö Richtung Barents See. Die Route führt zwischen Svalbard/White Island und Franz Josefs Land hindurch (vgl. Abb. 1). Vier Tage später, am 11. August, treffen sich die beiden Schiffe mit dem russischen Eisbrecher Sowetskiy Soyuz. Dank günstiger Wetterbedingungen kommen die drei Schiffe zügig voran und sind dem Zeitplan bald voraus. Hubschrauber erkunden die Gegend und transportieren Wissenschaftler zwischen den Schiffen hin und her. In den nächsten Tagen werden Sicherheitsübungen absolviert und es finden weitere Vorbereitungen zur Durchführung der Bohrung sowie zur Speicherung und zum Austausch der gesammelten Daten statt. Das Essen an Bord ist gut und hält die Mannschaft bei Laune.

 

Die Verteilung der Bohrlöcher
Abbildung 7: Querschnitt des Lomonosov-Rückens nach einer seismischen Unter- suchung. Kreidezeitliches Kontinentalgestein ist gelb gekennzeichnet. Die vier einzelnen, farbig hervor- gehobenen Kerne wurden zu einer Sektion zusam- mengesetzt, die sich über einen Zeitraum von ~80 Millionen Jahren erstreckt. [Moran u.A. 2006]

Schon am 15. August wird mit den Bohrungen begonnen. Die Eisbedingungen sind inzwischen aber schwieriger geworden. Ein erster Versuch scheitert, als sich ein Teil der Bohrvorrichtung vom Bohrgestänge löst und auf den Meeresgrund fällt. Die Oden muss Schwerstarbeit leisten, der Vidar Viking gelingt es aber ihre Position in einem Umkreis von 50m Radius zu halten. Am 19. August wechselt die Vidar Viking die Position; an der neuen Bohrstelle scheinen die Eisbedingungen für die nächsten Tage vielversprechender zu sein. Einen Tag später hat man 60m in die Sedimente gebohrt, 50m Bohrkern können erfolgreich an die Oberfläche geholt werden. Nach einem weiteren Tag hat man schon die doppelte Tiefe erreicht. Die Wetterbedingungen sind inzwischen schon so schlecht, dass die Bohrung kurz unterbrochen werden muss, weil sich die Vidar Viking zu weit von der Bohrstelle entfernt. Vier weitere Tage kann die Vidar Viking an dieser Stelle weiterbohren und arbeitet sich auf 272m – oder 40 Millionen Jahre Erdgeschichte – vor. Dann jedoch werden die Eisbedingungen so extrem, dass selbst die Sowetskiy Soyuz das Eis nicht mehr knacken kann.
An der nächsten Bohrstelle gibt es Probleme, als das Seil reißt, an dem der dritte Bohrkern hängt. Er kann aber teilweise geborgen werden. Zusätzlich werden geophysikalische und seismische Untersuchungen durchgeführt, die die Kernuntersuchungen unterstützen und weitere mögliche Bohrstellen lokalisieren sollen. Am 28. August wechselt die kleine Flotte erneut die Position; an der neuen Arbeitsstelle sollen für eine relativ lange Zeitspanne ausgesprochen günstige Eisbedingungen herrschen. In den nächsten 125 Stunden dringt man bis in eine Tiefe von 428m vor, die Vidar Viking kann sich dabei in einem Kreis mit 20m Radius halten. Nebenbei werden an den Bohrkernen erste Untersuchungen durchgeführt. Am 3. September wird 50m vom letzten Loch entfernt gebohrt um Lücken in den anderen Kernen zu schließen. Die Bedingungen bleiben weiterhin günstig. Am 6. September wird der letzte Bohrkern an Deck geholt und abschließende Wartungsarbeiten beginnen. Abbildung 7 zeigt die Verteilung der Bohrkerne auf dem Lomonosov-Rücken.

Auf der Rückfahrt wird am Nordpol ein Zwischenstopp eingelegt. Die Wissenschaftler und Besatzungen der drei Eisbrecher feiern zusammen auf dem Eis ihren Erfolg mit heißem Glögg. Am 10. September gibt es ein kurzes Rendezvous mit der Yamal, einem weiteren russischen Atomeisbrecher. Die Sowetskiy Soyuz verlässt den Verband wieder. Die Oden fährt zurück nach Tromsö, die schnellere Vidar Viking nach Südnorwegen [Gerdes 2004f].