Teilprojekt 1: Natur- und Kulturwissenschaften Holozän

Salztorfabbau als mögliche Ursache für die Entstehung des Jadebusens    

 

Foto: Salztorfabbau

>Kontakt: 

Dr. Friederike Bungenstock
Tel.:+49-(0)4421-915-142
bungenstock[at]nihk.de

Anette Siegmüller Tel.: +49-(0)4421-915-143 siegmueller[at]nihk.de  

Der ständige Bedarf an Salz zum Kochen und Konservieren der Nahrung führte im Nordseegebiet zu der Entwicklung einer hoch spezialisierten Technik, mit der Salz aus Torfen gewonnen werden konnte. Dieser Prozess basierte darauf, Salzkristalle aus häufig mit Meerwasser überspülten Torflagen zu extrahieren. Nachdem der abgestochene Torf getrocknet und anschließend verbrannt worden war, wurde die salzhaltige Asche mit Meerwasser ausgelaugt. Auf diese Weise entstand eine stark salzhaltige Lauge, die erhitzt wurde, um so durch Verdunstung Salzkristalle zu gewinnen. Aufgrund dieser Methode wurden möglicherweise bereits seit der Römischen Kaiserzeit Moorflächen abgegraben. Die Landschaft wurde dadurch abgesenkt, was zu großen Problemen führte: Im Falle eines Deichbruches konnte das Meerwasser ungehindert in die tief liegenden Flächen strömen, wo es oft über Jahrhunderte verblieb. Im Mittelalter schließlich erreichte der Salztorfabbau ein industrielles Niveau, so dass weite Teile der Moorflächen betroffen waren. Diese Abbauform hatte möglicherweise erheblichen Anteil bei der Entstehung des Jadebusens. Zwei bereits bekannte und untersuchte Abbauregionen im Jadebusengebiet (Diekmannshausen und Oberahnsche Felder) zeigen unterschiedliche Abbautechniken und dokumentieren Landverluste in der Folge des Abbaus.

Innerhalb des Jadebusen Projektes werden die aufgeführten Fragestellungen seit 2008 von Annette Siegmüller und Friederike Bungenstock im Niedersächsischen Instituts für historische Küstenforschung bearbeitet. Das primäre Ziel ist es dabei, die Bedeutung des ausgedehnten Torfabbaus zur Salzgewinnung für die Entstehung des Jadebusens zu untersuchen. Dazu wurden zunächst die historischen Karten aus der Region in Hinblick auf möglichen Salztorfstich ausgewertet. In der nächsten Phase des Projektes werden im Gelände gezielt Prospektionen mit verschiedenen geophysikalischen Messtechniken vorgenommen werden.