Hintergründe

Bisher gibt es zwei Annahmen, wann die Vereisung der Arktis begann. Die erste These besagt, dass sich das globale Klima ändert, als die süd- und nordamerikanischen Platten vor etwa 4 Millionen Jahren zusammenstoßen. Die Meerenge von Panama, die vorher Pazifik und Atlantik verbindet, ist nun geschlossen, was sich gravierend auf die Meereströmungen und somit auf das Klima auswirkt. Eine zweite These besagt, dass die Vereisung schon vor etwa 8–10 Millionen Jahren beginnt, als das Tibet-Plateau angehoben wird und die sibirischen Flüsse mehr Süßwasser ins Nordpolarmeer einbringen (vgl. [Gerdes 2004a]).
Die Vereisung der östlichen Antarktis beginnt nach [Moran u.A. 2006] jedoch schon vor etwa 14 Millionen Jahren (Abb. 2).

 

Temperaturentwicklung der letzten 70 Millionen Jahren
Abbildung 2: Globale Tempe- raturentwicklung in den letzten 70 Millionen Jahren [Gerdes 2004b].

Der Zusammenhang zwischen dem globalen Klima und der Vereisung der Polkappen kann von zentraler Bedeutung für die Menschheit sein. Die weißen Flächen an den Polen reflektieren etwa 90% des dort eintreffenden Sonnenlichts (Albedo). Land und Meer sind jedoch viel dunkler und absorbieren einen Großteil der Sonnenstrahlung. Dank des anhaltenden Treibhauseffektes hat sich die Dicke der nordpolaren Eisschicht von durchschnittlich 3,1m auf 1,8m verringert und mehr Flächen werden eisfrei. Dadurch erwärmt sich das Erdklima weiter und die Eiskappen schmelzen noch schneller. Wenn nun das Süßwasser der Pole nicht mehr in einer Eisschicht gebunden ist und sich mit dem Meerwasser vermengt, kann schlimmstenfalls der Golfstrom komplett zum erliegen kommen; In Europa würden dann paradoxer Weise kanadische Temperaturverhältnisse herrschen – es wäre im Schnitt etwa 10°C kälter [Achenbach 2006].