Fazit

Einer der Faktoren für den Erfolg von ACEX war sicherlich die reibungslose Kommunikation. Alle drei Schiffe waren untereinander vernetzt und auf der Oden befand sich ein GSM-Funkmast, sodass die Wissenschaftler in einem Umkreis von etwa 35km problemlos per Handy miteinander kommunizieren konnten. Ein zweiter wichtiger Faktor war der russische Eisbrecher Sowetskiy Soyuz (Abb. 14). Er war mit seinen 75.000PS nicht nur stärker, als Oden und Vidar Viking zusammen, sondern hatte auch einen Salzwasserswimmingpool, eine Turnhalle, Essräume sowie eine vollausgestattete Krankenstation an Bord. (Glücklicherweise wurde aber niemand während der Expedition ernsthaft krank oder verletzt.) Wichtig für den Erfolg waren schließlich auch die eingesetzten Helikopter. Mit ihrer Hilfe wurden unter anderem Wissenschaftler von Schiff zu Schiff transportiert und GPS-Bojen auf den Eisschollen verteilt. [Gerdes 2004f]

 

Die Sowetskiy Soyuz im Eis
Abbildung 14: Die Sowetskiy Soyuz im aufgetürmten Eis. [Takahashi 2004]

Auch aus wissenschaftlicher Sicht war ACEX ein nahezu uneingeschränkter Erfolg. Statt den angepeilten letzten 50 Millionen Jahren reichen die erbohrten Sedimente bis vor 80 Millionen Jahren zurück. Allerdings konnten nicht alle Lücken in den teilweise gestörten Bohrkernsegmenten komplett geschlossen werden. Insbesondere in den Kernsegmenten des PETM gibt es einige kritische Lücken. Trotzdem konnten die wichtigsten Fragen geklärt werden.
Der vermutete kontinentale Ursprung des Lomonosov-Rückens wurde bestätigt. Sehr überraschend waren die hohen Wassertemperaturen in der Arktis von knapp 24°C während des PETM. Sie zeigen, dass ein hoher CO2-Gehalt der Atmosphäre alleine nicht für ein so warmes Treibhausklima verantwortlich ist. Die genauen Ursachen für diese hohen Temperaturen und den extrem niedrigen Pol-Äquator-Temperaturgradienten sind aber immernoch unbekannt und bedürfen weiterer Forschung. Sie müssen dann auch in die Klimamodelle der Forscher integriert werden.
Geklärt wurde außerdem, dass Nord- und Südpol etwa gleichzeitig vereisten. Das erste jahreszeitliche Eis gab es schon vor etwa 45 Millionen Jahren, vor etwa 14 Millionen Jahren begann dann die permanente Vereisung der Arktis – gleichzeitig mit dem Wachstum der ostantarktischen Eiskappen. Die beiden bisherigen Ursachen (Schließung der Meerenge von Panama (vor ~8–10 Millionen Jahren) und ein erhöhter Süßwassereintrag durch sibirische Flüsse (vor ~4 Millionen Jahren) haben den Prozess der Vereisung verstärkt. Aber auch hier gibt es weiteren Forschungsbedarf, denn die genaue Herkunft des IRD (ice-rafted debris) (und damit die Richtung der Vereisung) ist noch nicht vollständig geklärt. Und auch die Ursachen für die Intensivierung des Milankowitchzyklus' vor etwa 3,2 Millionen Jahren müssen noch gefunden werden.

Letztendlich kann man ACEX aber als vollen Erfolg werten. Die Erwartungen der Wissenschaftler wurden mehr als nur erfüllt und die großen Fragen beantwortet.