Geoökologie

Abgeschlossene Arbeiten des Jahres 2018

--- Sobald eine Abschlussarbeit vorliegt, wird hier deren Kurzfassung veröffentlicht. ---

Palynologische und sedimentologische Untersuchungen zur Rekonstruktion der holozänen Landschaftsentwicklung bei Hilgenriedersiel (Lkr. Aurich)
(Bachelorarbeit Simone Brick, Februar 2018)

Bachelorstudiengang Umweltwissenschaften, 40 Seiten (Erstgutachter)

Seit dem Ende der Weichseleiszeit hat sich das Gebiet der heutigen nordwestdeutschen Küstenlandschaft fortlaufend verändert. Der Meeresspiegel ist mit dem Abschmelzen der Gletscher nach und nach angestiegen und hat dabei die Küstenlinie stetig verschoben. Die vom Wasser mittransportierte Sedimentfracht hat sich im jeweiligen Küstenbereich abgelagert. Vielerorts waren es Moorlandschaften, die vom marinen Sediment überdeckt wurden. Es gab aber auch Phasen, in denen sich die Küstenlinie seewärts verlagerte. Gebietsweise bildeten sich erneut Moore, die dann in folgenden Transgressionsphasen wieder mit marinem Sediment überdeckt wurden. Anhand von geologischen Bohrungen kann man diesen Wechsel von Transgression und Regression rekonstruieren. Zudem können die in den abgelagerten Torfen enthaltenen Pollen Hinweise auf das vorherrschende Landschaftsbild, eine Besiedlung des Gebietes und das Alter des Torfes und damit auch auf den Zeitraum der Transgressions- und Regressionsphasen geben.

Für diese Bachelorarbeit wurde ein Bohrprofil aus Hilgenriedersiel untersucht. Die Bohrung erfolgte im Rahmen des WASA-Projektes (Wadden Sea Archive). Anhand des Bohrprofils wurden die Ablagerungsbedingungen rekonstruiert, wobei auch weitere Profile in der Umgebung mit einbezogen wurden. Eine zeitliche Einordnung der Torfschichten erfolgte mit Hilfe der Ergebnisse der Pollenanalyse, mit der auch Rückschlüsse über die vorherrschende Landschaft und anthropogene Eingriffe gezogen wurden. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, die holozäne Landschaftsentwicklung im Untersuchungsgebiet zu rekonstruieren.

Der pleistozäne Untergrund begann bei der Bohrung in Hilgenriedersiel bei 6,70 m. Der darüber abgelagerte Basaltorf hatte eine Mächtigkeit von 33 cm und ist etwa 5000 bis 6000 Jahre alt. Zur Zeit der Torfablagerung war die vermutlich im Gebiet vorherrschende Waldform ein Eichenmischwald mit Haselsträuchern. Erlen, Kiefern und Birken könnten sich in den Randgebieten des Moores angesiedelt haben. Der Meeresspiegel lag höchstens wenige Meter unter dem heutigen Niveau, so dass das Moor gelegentlich überspült wurde. Hinweise im Pollendiagramm auf Salzwiesenarten lassen darauf schließen, dass die Küstenlinie nicht allzu weit vom Moor entfernt war. Eine Besiedlung des Gebietes fand vermutlich in größerem Umfang erst ab dem späten Atlantikum statt, worauf eine Veränderung der Pollenanteile oberhalb der Mitte des Torfkörpers hindeutet.


Der Torf geriet im weiteren Verlauf infolge einer Verlagerung der Küstenlinie unter Salzwassereinfluss, so dass sich lagunäres Material ablagerte. Die Überspülung erfolgte nur kleinräumig, vermutlich lag das Gebiet in einer Senke, so dass es nur im näheren Umkreis in einem Gebiet von etwa 3,5 km2 zu lagunären Ablagerungen kam, darüber hinaus wuchs der Torf weiter auf. Im Folgenden verschob sich die Küstenlinie wieder seewärts, so dass es zu einer erneuten Moorbildung im Untersuchungsgebiet kam.

Die Entstehung des Torfes fällt in die Zeit des Subboreals. Das Klima war hier trockener als im Atlantikum, was sich auch am Torf zeigte, der stärker zersetzt war als die untere Torfschicht. Der Meeresspiegel fiel weiter ab, zunächst wuchs nahe dem Untersuchungsgebiet vermutlich noch Salzwiesen-Vegetation. Im Verlauf der Regression verlagerte sich die Küstenlinie weiter nach Norden und die Vegetation im Untersuchungsgebiet veränderte sich zu einem Erlenbruchwald mit Farnen. Die vorherrschende Waldform war hier wahrscheinlich ein Eichen-Hasel-Wald. Hinweise auf Ackerbau in dieser Zeit zeigt das Pollendiagramm nicht. In einer erneuten Transgressionsphase wurde der Torf wieder von marinen Sedimenten überlagert. Der Erosionskontakt, der sich im Profil zwischen dem Torf und dem marinen Sediment zeigte, deutet darauf hin, dass es zu einem Ereignis wie einer schweren Sturmflut gekommen ist, die einen Teil der Ablagerungen erodiert hat. Im Folgenden lag der Bereich dauerhaft im marinen Ablagerungsbereich und war zum Zeitpunkt der Bohrung Teil einer Salzwiese.