Julian Merder

Julian Merder

Abschluss Dezember 2015

In meinem Bachelorstudiengang BioGeo-Analyse an der Universität Trier interessierten mich überwiegend ökologischen Fragen. In einer Vorlesung zur Grundlage von Erfassungsmethoden von Tieren und Pflanzen im Gelände wurden schon im ersten Semester des Bachelors Formeln aufgelistet, wie man die Biodiversität eines Ortes am besten bewerten kann. Es wurden Graphen gezeigt, wie sich Luchs und Hase in Kanada einen ständigen Kampf der Populationsgrößen liefern, ein musterbildendes Auf und Ab, und das man dies durchaus berechnen könnte. Wie das auffällige Muster genau zustande kam, welches wohl in jeder Ökologievorlesung mindestens einmal gezeigt wird, war leider nicht Thema der Veranstaltung oder im Fokus des Bachelorstudiengangs,  jedoch war hier mein Interesse an der Modellierung geweckt. Auch hatte ich schon immer ein hohes Interesse an meeresbiologischen Fragestellungen, nicht zuletzt durch einen längeren Aufenthalt in Südostasien und so wollte ich für den Master auch diese Richtung näher verfolgen.

Von einigen Freunden in Oldenburg schlug mir einer die Uni Oldenburg mit dem ICBM vor, um beides miteinander zu kombinieren und natürlich auch direkt ein paar bekannte Gesichter für das eine oder andere Bier am Abend zu haben. Bei meiner Recherche fand ich die Masterstudiengänge Marine Umweltwissenschaften und Umweltmodellierung. Nachdem ich mich in die Modulbeschreibungen eingelesen hatte, entschied ich mich - zugegebenemaßen eher aus dem Bauch heraus - für den Studiengang Umweltmodellierung und bewarb mich. Nach drei Wochen erhielt ich bereits eine Zusage.

Hier bekam ich sowohl die Vertiefung in die Hintergründe theoretischer Ökologie vermittelt, die ich so im Bachelor vermisst hatte, als auch eine umfassendere Schulung in der Datenanalyse bei den großen Datenmengen, die bei Geländeübungen zu Kursen der Artenkenntnis im Bachelorstudiengang angefallen waren. Besondere Highlights waren für mich somit nach meiner Spezialisierung auf den Schwerpunkt Prozess- und systemorientierte Modellierung mit den Veranstaltungen der Populationsdynamik und kritischen Zustände im System Erde auch das Profil-Modul Umweltsysteme und Biodiversität. Als angenehm empfand die oft überschaubaren Gruppengrößen, die einen direkten Kontakt zu den Dozenten ermöglichen. Praktischen Einblick in die Ökologie von benthischen Artengemeinschaften bekam ich durch einen gemeinsamen Kurs mit der Uni Bremen und dem Alfred-Wegener-Institut auf Helgoland.

Inspiriert durch ein Modellierungspraktikum in Irland habe ich dann in meiner Masterarbeit zu den Unterschieden von benthischen Artengemeinschaften an den Küsten Irlands geforscht. Meine Arbeit wurde gemeinsam von je einem Dozenten aus dem ICBM und der Universität in Galway betreut. Durch die enge Kooperation mit meinen beiden Betreuern wurde mir auch ein erster Schritt in Richtung wissenschaftlicher Karriere über das Verfassen eines wissenschaftlichen Artikels als Erstautor ermöglicht. Nach Einreichen des Manuskriptes und Revision nach Erhalt der Peer-Reviews steht momentan die Wiedereinreichung und - hoffentlich - die Publikation in einem internationalen Journal an.

Zur Zeit arbeite ich beim Windkraftkonzern ENERCON an der Implementierung von Abschaltzeiten zum Fledermausschutz. Auch wenn ich hier eigentlich wenig aus meinem Studiengang anwenden kann, haben mir der modellierende Schwerpunkt und die erworbenen Matlab-Kenntnisse beim Bewerbungsgespräch sehr geholfen. Weil ich unbedingt zurück in die Forschung möchte, werde ich dort bleiben, bis ich eine passende Promotionsstelle im marinen Fachbereich gefunden habe.

Ich würde diesen forschungsorientierten Studiengang jederzeit wieder studieren. Bei offenen Fragen zum Studiengang stehe ich auch gerne unter julian-merder(at)web.de zur Verfügung.

Marcel Kuhmann

Marcel Kuhmann

Abschluss März 2015

 

Nach dem Abschluss meines Bachelorstudiums Mathematik hatte ich beschlossen, meinem Interesse an ökologischen Fragestellungen mehr Raum zu schenken. Im Blick hatte ich dabei vor allem eine zukünftige Forschungstätigkeit an einem wissenschaftlichen Institut (z.B. der Helmholtz- oder Fraunhofer-Gesellschaft) oder einen möglichen Berufseinstieg (z.B. Naturpark, Umweltbehörde) - ein klares Ziel hatte ich allerdings nicht vor Augen.

Entsprechend sah ich mich nach nicht-konsekutiven Masterstudiengängen um, die zweierlei erfüllen: sie sollten ein festes Standbein im Gebiet der mathematischen und naturwissenschaftlichen Methodik bei gleichzeitig verstärktem Anwendungsbezug besitzen, und mir außerdem die Chance bieten, Einblicke in verschiedenste Themengebiete zu erhalten.

Im Bundesgebiet stieß ich auf zwei Masterstudiengänge, die mein Wunschprofil erfüllten: der Master Umweltmodellierung an der Uni in Oldenburg und der Master Umweltsysteme und Ressourcenmanagement in Osnabrück. Bei beiden Programmen überzeugten mich:

  • die Beteiligung verschiedenster Fachbereiche am Studiengang und die daraus und aus dem flexiblen Modulsystem resultierenden Vertiefungsmöglichkeiten

  • die thematische und methodische Einordnung im Schnittstellenbereich Mathematik - Vertiefungsgebiet - Informatik

  • die zahlreichen Möglichkeiten, in Praktika, Projekten und Studienarbeiten wertvolle Einblicke in Forschung und Entwicklung zu erhalten

  • die guten Kontakte des Instituts und der Lehrenden zu anderen in- und ausländischen Forschungseinrichtungen als Fuß in der Tür für ein Auslandssemester oder ein Forschungspraktikum.

Den Ausschlag für meine Einschreibung in Oldenburg gab ein Tag vor Ort, an dem ich mich mit Studierenden des Studiengangs traf, die mir im Vorfeld angeboten hatten, über ihre Erfahrungen zu berichten. Nach den Gesprächen und den Eindrücken des Campus und der Stadt allgemein hatte ich das Gefühl, dieses Masterstudium passt genau zu mir und ist zudem eine runde Sache; meine Pläne, Osnabrück ebenfalls einen Besuch abzustatten, ließ ich dann kurzer Hand fallen.

Der Master Umweltmodellierung hat die versprochene Bandbreite des Ausbildungsangebots gehalten: ich konnte mich mit der Anwendung spieltheoretischer Methoden in der Evolutionsgenetik beschäftigen, war bei einem Gespräch mit einem Oberdeichrichter zur Landnutzung in Ostfriesland dabei, habe an einer Besichtigung des Windenergieanlagenherstellers ENERCON und eines Windparks teilgenommen und meine Masterarbeit über Bodenphysik am Helmholtz-Institut für Umweltforschung in Leipzig geschrieben.

Als Student im Master Umweltmodellierung genießt man zum einen hervorragende Lehre: die Dozenten nehmen ihre Aufgabe mit großem Engagement wahr und der Betreuungsschlüssel ist sehr komfortabel. Zum anderen hat man regelmäßig die Gelegenheit, universitäre Forschung hautnah mitzuerleben. Der Studiengang eignet sich deshalb meiner Meinung nach ideal als Vorbereitung auf und Einstieg in eine Karriere in der Forschung.

Aber auch in Wirtschaft und Industrie können sich Absolventen sehr guter Berufschancen erfreuen; dafür kann mein Berufseinstieg als Versicherungsmathematiker sicherlich als Positivbeispiel dienen: Ich startete nach meinem Studienabschluss im Traineeprogramm der SV SparkassenVersicherung in Stuttgart. Grund für die Entscheidung gegen meine ursprünglich favorisierte Vision einer Karriere in der Forschung war in erster Linie die Erkenntnis, dass mir das Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten schlichtweg keinen Spaß macht. Des Weiteren passten und passen die überwiegend befristeten Anstellungsverhältnisse in der Wissenschaft nicht zu meiner Zukunftsplanung.

Bei meiner Tätigkeit als Versicherungsmathematiker profitiere ich täglich sowohl von den im Master antrainierten Programmierfertigkeiten als auch von den erlernten statistischen Methoden. Als ehemaliger Baden-Württembergischer Monopolversicherer zählt die SV SparkassenVersicherung einen großen Teil der Gebäude des Bundeslandes zu ihrem Bestand und ist damit einem erheblichen sogenannten Kumulrisiko ausgesetzt - Wetterereignisse wie der Orkan Lothar (1999), der Hagelsturm von Reutlingen (2013) oder die Starkregen-Unwetter des Tiefs „Elvira” (2016) betreffen ganze Regionen und können so „auf einen Schlag” große Gesamtschäden verursachen. Deshalb ist es unerlässlich anhand mechanistischer und statistischer Simulationsmodelle solche Elementarrisiken (Erdbeben, Sturm/Hagel, Überschwemmung, Starkregen) einschätzen und bewerten zu können. Diese Themen sind für mich als Absolvent des Studiengangs Umweltmodellierung ein - wenn auch herausforderndes - Heimspiel.

Mit meinen Erfahrungen bin ich bei der Studienentscheidung gerne behilflich. Im Falle von weiteren Fragen sprechen Sie mich an unter: marcelkuhmann(at)posteo.de