Geoökologie

Vorkommen von weichseleiszeitlichen, postglazial kollabierten Pingos (Paläopingos, Pingoruinen) in NW-Deutschland, erörtert und diskutiert am Fallbeispiel von fünf Hohlformen im Timmelerfeld, Ostfriesland

Doktorarbeit Gisela Riedel

Der Begriff „Pingo“ stammt aus der Inuit-Sprache und bedeutet „Eishügel“. Pingos sind isoliert stehende, rundliche Bodenerhebungen und bestehen aus einem Eiskern (bis zu 80%) und dem darüber liegenden, durch die Eislinse angehobenen Boden. Rezent kommen Pingos im Permafrostgebieten vor und können im Idealfall eine Höhe bis zu 70 m und eine Länge von rund 100 m erreichen. Paläopingos kamen hingegen in den Periglazialgebieten mit Dauerfrostböden der Kaltzeiten vor und kollabierten postglazial (Pingoruinen, Pingosreste). Geomorphologisch sind Paläopingos heute nur noch als Hohlformen (Senken) zu erkennen und sind zudem stark anthropogen überprägt. In Europa wurden Paläopingos in den Niederlanden (Provinz Drenthe) und in Deutschland in der norddeutschen Tiefebene nachgewiesen.

Das Untersuchungsgebiet Timmelerfeld in Ostfriesland wurde Ende der 80er Jahre erstmalig hinsichtlich möglicher Vorkommen von Paläopingos vom damaligen niedersächsischen Landesamt für Bodenforschung, NLfB, Hannover, untersucht. Im Rahmen dieser Erkundungen wurde gemeinsam mit einer Schülergruppe des Gymnasium Ulricianum Aurich das „Frauenmeer“, eine Hohlform im westlichen Teil des Timmelerfeldes, näher erforscht. Die Ergebnisse zeigten, dass das „Frauenmeer“ nachweislich als Pingo des sogen. Open-Pingo-System mit blow-out-Struktur zu bewerten ist. Im Rahmen der Dissertation wird erneut das Thema zur weichselzeitlichen Genese von Paläopingos im Timmelerfeld aufgegriffen. Aufbauend auf den damaligen Erkenntnissen wurden in einer aktuellen Kartierung die zum „Frauenmeer“ benachbarten Hohlformen untersucht. Die Feldarbeiten erfolgten im Rahmen des wissenschaftspropädeutischen Unterrichts im Zusammenarbeit der Europaschule Gymnasium Ulricianum Aurich. Erste Ergebnisse liegen bereits vor und weisen auf weitere Paläopingos hin. Zzt. erfolgt eine palynologische Untersuchung und Auswertung.

 

Blick auf die Pingoruine HF 3, Eschenstraße im Timmelerfeld.

Ziehen der Bohrstangen mit Schülern des Gymnasium Ulricianum Aurich in der Hohlform HF 5.

Arbeiten (Bohren mit dem Wackerhammer) mit Schülern und Lehrer des Gymnasium Ulricianum Aurich in der Hohlform HF 3.

Nach Abschluss der Bohrungen wurden die einzelnen Hohlformen der Höhe nach vermessen.